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Die Wahrheit über Erotik-Hörbücher. Wer hört die eigentlich?

von Gabriele Reis am 26. Juni 2012

Die Wahrheit über Erotik-HörbücherGibt es gute Erotik-Hörbücher?

„Feuchte Höschen um Mitternacht? – hm – der Titel klingt etwas altmodisch, wie lang war das Hörbuch noch mal? Verstehe. Posex knallhart? – Nein, ich denke nicht, dass das ein Titel für uns ist. Heiße Nylonstrümpfe im Cockpit? – Worum geht es denn da genau? Gibt es eine Inhaltsangabe?“

Ich erinnere mich an dieses brisante Telefonat meiner Kollegin vor einiger Zeit. Plötzlich gingen alle Köpfe hoch. Mucksmäuschenstill starrten wir in ihre Richtung, konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen. Sie legte auf, rauschte dann aber an unseren neugierigen Köpfen vorbei und ging mit der Bemerkung „No comment guys, das war geschäftlich!“ in die Pause. Später bekamen wir heraus, dass es bei diesem Telefonat um die Erotiktitel ging, die meine Kollegin neu in den Audible Katalog aufnehmen wollte. Tja – und nun stehe ich mit dem Thema Sex, Erotik und Co. da und soll erklären, warum wieso weshalb wir Titel führen, die… machen wir uns nichts vor… schlichtweg Pornotitel sind.

Tim Kehl im Interview

Mein Kollege Tim Kehl ist im Content Bereich neben vielen anderen Verlagen auch Vertriebspartner für Verlage, die Pornotitel anbieten. Tim sieht es ganz sachlich. „Das Wort „Porno“ verbinde ich eigentlich mit Bildern oder Fotos, bei Hörbüchern würde ich sagen, geht es um explizite Erotik.“

Als bei Audible die ersten „expliziten Erotiktitel“ erschienen, wurden wir immer wieder gefragt, warum jetzt „auch Audible“ auf der Sexschiene fahren müsse: „Haben Sie das nötig?“, „Muss das sein?“, „Geht es auch bei Audible jetzt nur noch um Sex?“.

Tim schüttelt den Kopf, denn es sind in der Tat „nur eine ganz kleine Anzahl hoch erotischer Hörbücher, die wir im Vergleich zu unseren belletristischen Titeln in unserem Gesamtkatalog führen. Wir behandeln alle Verlage gleich, menschenverachtende und –erniedrigende Inhalte würden wir jedoch ganz klar ablehnen, das spricht gegen unsere Richtlinien. “Natürlich”, fügt Tim hinzu, „bilden wir uns unser eigenes Urteil. Bestehen Zweifel, dann hören wir in einen Titel rein – und es kommt auch vor, dass wir Cover überarbeiten lassen, wenn wir es als nicht angebracht für die Homepage halten.“

„Komm Tim, Tacheles – Sex sells?“, hake ich nach. „Nicht unbedingt“, erklärt mir Tim. „Ein Hörbuch wird nicht besonders oft gekauft, weil es darin einfach nur um Sex geht. Ich glaube ohne einen guten Plot funktioniert es nicht, so einfach ist es dann doch nicht.“ Nur Sex reicht also nicht.

Wie müsste ein Erotiktitel sein, der eure Aufmerksamkeit fesselt und euch überzeugen würde auf den Kaufbutton zu klicken?

Mein Selbstversuch

Ich sehe mich unter den über 200 gelisteten Erotiktiteln um. Klare Wortwahl im Titel und weniger klare Hörbuchbeschreibungen, das ist auch schon alles. Auffallend wenige Bewertungen, auffallend wenige Rezensionen. Gerade mal ein, zwei oder maximal drei kleine gelbe Sternchen leuchten auf den Detailseiten – einen Hinweis, ob sich ein Hörbuch wirklich lohnt, bekomme ich da nicht.

Immerhin hat „Die Nylonsekretärin“ drei gelbe Sterne – leider aber ohne Kommentar. Bei „Posex, eine Erotik Hypnose“ lese ich als einzigen Kommentar: „Hatte mir mehr versprochen, der Sprecherin gebe ich eine 1, Erotik und Hypnose kann ich nicht bestätigen. Inhalt des Buches könnte man auf eine Seite schreiben.“

Neugierig macht mich die Rezension bei „Nonnengeschichten: Bizarre Vorgänge hinter Klostermauern“: „Dieses Hörbuch war mein erstes erotisches Hörbuch was ich mir gekauft habe und ich wurde vom Fieber erfasst. (…) Es war so fesselnd, dass ich dann aber doch das komplette Hörbuch auf einmal angehört habe. Es ist hilfreich wenn der Partner nach dem Hören zur Verfügung steht :-).”

Überrascht bin ich dann aber doch als ich auf „Die Flugbegleiterin (Englisch für Liebhaber)“ stoße, Englisch lernen mit Spaß verspricht die Überschrift, doch außer der zwei Sterne habe ich keine Anhaltspunkte, ob es das Hörbuch nun bringt oder nicht und die Hörprobe… naja… hört euch das selbst mal an…

Warum schreibt eigentlich keiner, was er zu den Titeln wirklich denkt? Kauf die keiner? Will die keiner? Alles Schmuddelkram?

Bekannte Erotik-Autorinnen

Wenn ich erotische Hörbücher mit Bewertungen finden will, muss ich mich auf bekannte Autorinnen besinnen, die ihr Handwerk schon eine Weile beherrschen. Ich komme weder um Sophie AndreskysFuck Your Friends“ noch um Charlotte RochesSchoßgebete“ herum. Der Titel hat auch nur drei Sterne, aber sage und schreibe 95 sehr unterschiedliche Kommentare. Eine Hörerin rät: „(…) Insgesamt ein empfehlenswertes Hörbuch, außer man neigt zur Prüderie.“

Und weiter unten lese ich: „Außer Porno nichts gewesen… Die ungeschminkte Darstellung sexueller Handlungen mag ja für den ein oder anderen amüsant sein, jedoch – wie so oft im Leben – ist zu viel, zu viel. (…).“

In meinem Vorhaben sehe ich es definitiv anders: „zu wenig ist zu wenig“. Kaum Rezensionen, fast keine Bewertungen – die Wahrheit über erotische Hörbücher erfahre ich so nicht: Bleibt mir nur der Selbstversuch. Aber darüber schreibe ich nichts. Da neige ich zu Prüderie.

Gabriele Reis

{ 6 comments… read them below or add one }

Schnuffelchen Juni 26, 2012 um 16:37

Ich selbst hab mir bei euch schon ein erotisches Hörbuch geladen (Tinity Taylor “Die Klavierlehrerin”) und dazu auch einen Kommi hinterlassen. Auch wenn ich heute feststellen mußte, das dieses mit wahnsinnigen Rechtschreib- oder besser Tippfehlern versehen ist. Da war wohl das Zielwasser gerade alle.
Ich selbst habe damals einsehen mussen, das Erotik lesen oder hören nicht das selbe ist. Und ich bleibe lieber bei den gedrucken Eroticas.

P.S. Einem Absatz möchte ich wiedersprechen. es gibt auch bei erotischen Büchern Pornos! Ich habe inzwischen so viele gelesen, das ich auch in diesem Genre feststellen musste, das nicht alles Gold ist was glänzt. Als Tipp, die Bücher von Megan Hart verbinden sehr gekonnt eine interessante Story mit Erotik und Sex. Vielleicht wäre das ja mal was für den Gesamtkatalog. Aber dann bitte wieder mit Frau Belusconi. Sie liest sehr gut.

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Claudia Juni 27, 2012 um 20:50

Tja, was soll man auch da reinschreiben, in eine Rezension eines Erotik-Hörbuchs.
Eine Inhaltsangabe? Oder womöglich über die Gefühle, die das ganze ausgelöst hat? Denn dafür, seien wir mal ehrlich, ist das ganze doch da. Jedenfalls hohe Literatur ist was anderes.
Aber wer will schon andauernd geistige Höhenflüge, wobei mir schon wichtig ist, dass die ganze Erotik in eine Rahmenhandlung eingebettet ist und am allerliebsten mit Happy End. Und ja, ich lese auch schon mal das ein oder andere Cora-Heftchen (ich sehe förmlich das Nase rümpfen) und wieviel Millionen haben Pretty Woman gesehen?
Ich bin eifrige Leserin erotischer Romane, am liebsten aus dem Hause Plaisir d’Amour (weil ich da annähernd weiß, was ich bekomme) und habe auch schon ein paar Sachen gehört.
Bei den erotischen Hörbüchern kommt es meiner Ansicht nach
schwer auf die Stimme an (Magdalena Berlusconi kommt wirklich gut rüber).Von Astrid Martini habe ich mir “Zuckermond” vorlesen lassen (leider gekürzt), die Sprecherin ist Irina von Bentheim. Das hat toll gepasst, weil ihre Stimme so quirlig ist, wie ich mir die Heldin vorgestellt habe. Manche Sachen allerdings, sind für mich einfach nur schlimm, z.B. wenn sich die Stimme kleinmädchenhaft anhört und die Sprecherin auch noch ein Lispeln aufzuweisen hat. .
Da kann das Buch noch so erotisch sein, für mich: Thema verfehlt!
Und dann wieder Bücher, die es sogar auf Bestsellerlisten schaffen, also scheinbar irgendwie Gesellschaftsfähig sind.
Feuchtgebiete ist so ein Machwerk, 2008 glaube ich über 1 Million mal verkauft, ich hab versucht es zu lesen. Bin kläglich gescheitert und tja, wer hätte das gedacht, beim Hören ging es mir nicht anders. Aber wenn man Media Control glaubt und die Leute nicht nur gekauft, sondern auch gelesen haben, dann hat es doch wohl auch ein paar Leuten gefallen, mein Geschmack ist es nicht.
Ich denke bei Erotik und/oder Sex scheiden sich die Geister, aber keiner regt sich über (seitenlange) stundenlange kriegerische Ausschweifungen der Orks oder Elfen auf oder über Serienkiller, deren Tötungspraktiken haarklein beschrieben werden.
Deshalb denke ich, das auch Erotik-Hörbücher ihren Platz haben sollten. Jazz Winter, Linda Mignani, Kerstin Dirks, Sandra Henke, Nina Jansen, Astrid Martini wären ein paar Vorschläge von mir.
Ach ja, und es gibt auch ein paar nette homoerotische Romane (hier gibts jetzt bestimmt ein paar völlige Ausraster)
Inka Loreen Minden, Simon Rhys Beck und Sandra Gernt wären meine Wahl.
Und zum guten Schluss: vielleicht sollte es uns wirklich nicht peinlich sein, wenigstens Sterne zu vergeben, wenn nicht gar ein paar Zeilen zu schreiben, es ist ja doch relativ anonym. Vielleicht liegt ja auch hier das Problem, dass sich so wenige äußern. Sollte man von jemandem erkannt werden, outet man sich ja immerhin irgendwie. Vielleicht sollten wir mal verinnerlichen, dass Sex in den meisten Fällen nichts verwerfliches ist und Erotik ist für jeden individuell.

Grüße an Gleichgesinnte
Claudia

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Ich Juni 28, 2012 um 08:52

Sicherlich sind viele Rezesionen ein Zeichen für großen Redebedarf für ein Buch. Nur wer möchte sich schon bei diesem Thema outen, auch wenn man noch immer anonym ist. Sehr oft wird mehr der Specher bewertet und nicht der Inhalt. Auch finde ich Buchbeschreibungen nicht wirklich hilfreich. Zu beschreiben, was man für einen Eindruck vom Plot hat, ist nicht immer leicht. Schaut mal bei der Hörprobe zu shades-of-grey-geheimes-Verlagen rein. Für eine Leseprobe ist das schon sehr viel. Auch der Hilfreich-Knopf wird benutzt.

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Stussi Juni 30, 2012 um 09:35

Mir ist bisher noch nicht wirklich ein gutes Buch dazu über den Weg gelaufen, ist auch nicht wirklich mein Genre. Allerdings fände ich es interessant, mir ein paar anzuhören und dazu dann eine Rezension zu schreiben – ich neige da nicht zur Prüderie (wenn allerdings meine Kollegen wüssten, dass ich das geschrieben habe, wäre das was anderes ;-))

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Kathrin Juli 3, 2012 um 22:57

Hehe, wenn es die Kollegen wüssten ist es immer etwas anderes, nicht wahr? Ich wäre gespannt, was das 22. Jahrhundert bringt & ob die Menschen dann doch etwas aufgeklärter & offener sind.
Andererseits sind die Genre immer Geschmackssache. Mit High Fantasy kann ich selbst zB nichts anfangen.

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Kathrin Juli 3, 2012 um 22:54

Sicherlich kann man bei Erotikromanen so einiges in der Rezension verarbeiten. Immerhin sollte der Autor nicht nur detailiert die Szenen beschreibt, sondern dies auch noch geschmackvoll tut. Auch kann man in einer Rezension durchaus auf mögliche Tabuthemen eingehen, da dies doch gerne in den Inhaltsangaben ausgelassen wird. Es steht nun nicht jeder auf drei Beteiligte oder sonstige Abwandlungen des “Normalen”. Des weiteren ist der Schreibstil wichtig, wie in allen anderen Büchern auch. Wenn es so dahin holpert macht schließlich weder das Lesen noch das Hören Spaß. Und wie oben bereits genannt ist es natürlich auch wichtig, eine plausible Rahmenhandlung zu haben um die Charaktere kennenzulernen & nicht nur von einer expliziten Szene in die nächste zu taumeln.
Allerdings kann ich auch gut verstehen, dass sich viele Menschen nicht outen wollen, dass sie Erotikromane lesen. Immerhin ist das Genre auch im 21. Jahrhundert noch sehr negativ behaftet (vielleicht kann 50 Shades das ändern, auch wenn es wohl relativ soft ist im Vergleich zu anderen Erotikromanen?).
Was den Selbstversuch angeht: Sollte auch ein englisches Buch (nicht Hörbuch) interessant sein, so wäre Lorelei James zB ein guter Startpunkt. Oder aber Shayla Black.

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