Urlaub

Hörbuch-Safari – die Stadt entdecken mit Audio-Guides!

von Fabian Μαy am 20. Juli 2012

Bei der nächsten Ecke rechts abbiegen: Auf Hörbuch-Safari mit Audio-GuidesBei der nächsten Ecke rechts abbiegen: Auf Hörbuch-Safari mit Audio-Guides

“Ich bin ein Kind dieser Stadt” sang Joachim Witt Anfang der Achtziger…gemeint war natürlich Berlin. Und ich? Ich war damals noch nicht einmal geboren…doch wie ist dieser Ort eigentlich zu meiner Heimatstadt geworden?

Grund genug, um mich einmal auf Stadtsafari zu begeben! Im Ohr: der Spaziergang durch Berlin, einer von vielen Städte-Guides bei Audible. In meinem Fall wird das Hörbuch natürlich stilecht vom Original-Berliner Oliver Rohrbeck gesprochen. Außerdem kommen zahlreiche Menschen zu Wort, welche die Metropole über Jahre begleitet haben…

Down by the River: Berlin an der Spree

Los geht’s am Hackeschen Markt, dem heutigen schicken Zentrum im Herzen der Stadt. “Alle Unfertige trägt den Keim des Kreativen” meint Rohrbeck, während ich auf die Hackeschen Höfe zugehe, einem dichten Komplex aus ineinander verschachtelten Häuserfluchten. Ich bin überrascht: Obwohl ich im angrenzenden Café Cinema schon hundertmal Kaffee aus schlecht gespülten Gläsern getrunken habe, ist mir die Vergangenheit dieses Ortes nie bewusst gewesen. Hier sollen sich in den wilden Zwanzigern expressionistische Dichter getroffen haben? Ich staune. Und Rohrbeck im Ohr haucht der Stadtgeschichte neues Leben ein…

Anders als bei einem Reiseführer habe ich außerdem im wahrsten Sinne freie Hand…was von Vorteil ist, wie mir schnell bewusst wird: Ich lasse den Blick schweifen und mache nicht die typische Kopfbewegung der Touristen neben mir, deren Fokus ständig zwischen Reiseführer und Stadt wechselt. Ein bisschen erinnern sie mich an Straßentauben, die stoisch nickend nach Futter suchen…

Doch weiter geht’s: Die nächste Station ist der Alexanderplatz im Ostteil der Stadt. Zum ersten Mal seit langer Zeit nehme ich den Ort wieder bewusst wahr, gebe ihm Zeit und schaue hoch zum berühmten Fernsehturm. Der Audio-Guide lässt den Berliner Lehrer Ulrich Hagemeister lakonisch feststellen: “Die DDR wollte immer, dit wir Telespargel sagen…na dit war vielleicht’n alberner Name.” Ich lache und mache mich anschließend auf den Weg in den wilden Westen Berlins: Kreuzberg.

“Große Metropolen wie Berlin sind oft Abenteuerspielplätze und Durchlauferhitzer” kommentiert der Berliner Wolfgang Behling, während ich durch das türkisch geprägte Kiez SO36 laufe. Anschließend erzählt der Audio-Guide von Hausbesetzern und No Future – ich fühle mich wie in einer Zeitkapsel. Am Ende des Rundgangs sagt Rohrbeck schließlich: “Bei jedem Besuch zeigt Berlin eine neue Facette, ein neues Gesicht.” Stimmt! Ich habe die Stadt wirklich mal wieder neu entdecken können…

Grenzübergänge: Oberbaumbrücke in Berlin

Übrigens: Audio-Guides gibt es auch für viele andere Städte und Regionen…schaut am besten einfach mal rein! Besonders gefallen hat mir Munich to go – und das als Preuße! Keine Frage: Die bis zu 10minütigen Stadtführungen der Kunsthistorikerin Else Apolda sind eine atemlose Achterbahnfahrt durch die bayrische Metropole – und ebenso unterhaltsam und kurzweilig.

Habt ihr vielleicht schon einmal Städte-Hörbücher ausprobiert? Wie waren eure Erfahrungen? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

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Fabian Μαy

{ 3 comments… read them below or add one }

Timo Juli 20, 2012 um 11:25

Sehr schön geschrieben & gleich inspiriert!

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Fαbiαn Μαy Juli 25, 2012 um 14:00

Danke Timo! : )

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aebers Juli 26, 2012 um 08:15

Ich musste während des Lesens die ganze Zeit schmunzeln, weil ich mir vorstellte, wie wohl ein Audio-Guide über meinen beschaulichen Heimatort klingen würde. Aber es lohnt der Mühe wohl nicht. Will ich auf den aktuellen Stand gebracht werden, stelle ich mich bei Edeka an der Kasse einfach in die längste Schlange. Getratsche und Getuschel gibt’s da kostenlos. Für Wissenswertes aus ältere Zeit nehme ich auf der Rentnerbank neben dem Rathaus Platz. Dann stelle ich die Frage “Und …was war früher so los hier?” und kann in zurückgelehnter Position stundenlang den Monologen folgen.
Das ist dann wie mit einem Hörbuch: Die interessanten Dinge filtert man für sich heraus. :-)

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