Auf nach Südfrankreich – im Studio mit Gabriele Blum

Martin_Madame le Commissaire und die späte RacheWährend in Berlin das Aprilwetter zwischen Schneesturm und Sonne wechselt, befinden wir uns im Süden Frankreichs. Zumindest in Gedanken. (Aufnahme fand im April statt). Eigentlich sind auch wir in Berlin, genauer gesagt im Tonstudio von Audible in Berlin Mitte. In der Aufnahmekabine sitzt Gabriele Blum. Sie liest Madame le Commisaire und die späte Rache, den zweiten Teil der Frankreich-Krimis um die Kommissarin Isabelle Bonnet.

Das Schöne an der Geschichte ist, dass ich das Buch in einer Zeit lese, wo das Wetter draußen ganz gruselig ist und ich sage: Wow, endlich kann ich in die Provence. Also ich hab so einen Bock auf diese Landschaft und die Beschreibung davon.

Der Autor oder die Autorin, die unter dem Pseudonym Pierre Martin schreibt, packt eine Menge Urlaubsatmosphäre und Frankreich-Flair in sine oder ihre Geschichten. „Ich habe das Gefühl, dass ich in den Urlaub gehe“, sagt Gabriele Blum.

Das spürt man auch im Aufnahmestudio. Hier sitzt Tontechniker Dirk vor zwei Bildschirmen, auf dem einen die Tonspur, auf dem anderen der Text. Es ist Aufnahmetag zwei von vier, wir sind bei Kapitel 16.

Worum geht’s?

Hauptfigur Isabelle Bonnet war früher Leiterin der Spezialeinheit Nationale Sicherheit in Paris. Als sie jedoch bei einem Sprengstoffattentat beinahe ums Leben gekommen wäre, kehrt sie traumatisiert in ihren Geburtsort Fragolin an der Côte d’Azur zurück. Hier war ihr Vater einst Bürgermeister bis beide Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Isabelle ist sich jedoch nicht sicher, dass es sich tatsächlich um einen Unfall handelte. Madame le Commisaire und die späte Rache ist Isabelle Bonnets zweiter Fall in Fragolin. Ihr Assistent Appollinaire stößt auf einen alten Mord. Das Mordinstrument: Eine Mistgabel. Eine zweite Leiche wird am Strand entdeckt. Raphael Dubois vermietet normalerweise Liegestühle. Jetzt liegt er nackt und tot am Strand, mit seinem abgeschnittenen Penis im Mund. Haben die beiden Morde etwas miteinander zu tun?

In Kapitel 16 sitzt Isabelle mit ihrer Freundin Clodine beim Essen. Thema: Die Affären eines gewissen Jean Luc Navet. Der Text ist voller französischer Ausdrücke. Da klingelt nicht das Handy, sondern das portable.

Dirk hat extra einen Duden vor sich stehen, der im Zweifelsfall bei der Aussprache hilft. Aber auch Gabriele Blum kennt sich aus:

Ich hab Französisch in der Schule gelernt und mag die Melodie von Sprachen. Ich gucke vorher wie der Klang geht. Es gibt dieses wunderbare forvo im Internet, wo sich Sprecher aus aller Welt dran beteiligen und Aussprachedatein liefern. Ich gucke entweder da oder bei Youtube.

Vorbereitung und Hintergrundinfos

Zur Vorbereitung liest Gabriele Blum das Buch halblaut vor, macht sich Akzente zur Betonung, recherchiert Namen und wie diese ausgesprochen werden. Sie ist auch privat Krimi-Fan. „Ich lese gerne die härteren, psychologischen Krimis von Nesbø oder Fitzek, aber ich mag auch diese Reihe. Die Krimis sind sehr charmant geschrieben.“ Dabei vermutet Blum, dass hinter Pierre Martin eine Frau steckt.

Ist aber auch Wurst, auf jeden Fall kann die Person schreiben.

Blum hatte wie viele Fans des ersten Buches gehofft, dass es sich um eine Serie handelt. Auch ihr sind die Figuren ans Herz gewachsen. „Da ist zum Beispiel der chaotisch, pedantische Apollinaire, der die Begeisterung eines Kindes nicht verloren hat und die Leute ständig voll labert. Der sorgt mit seiner Schrägheit für comic relief und ich kann im Tonstudio mal so richtig vom Leder ziehen.“

Fließenden Dialoge und detaillierte Essensbeschreibungen

Am Besten gefallen Gabriele Blum beim Vorlesen dieses Hörbuches die Dialoge:

Ich mag natürliche Dialoge, bei denen man das Gefühl hat die reden gerade wirklich, die reden nicht Papier, sondern denen fällt das im Moment ein. Da eignen sich nicht alle Autoren für.

Gemein sind dagegen die detaillierten Beschreibungen der französischen Küche. „Da wird dann manchmal genauer beschrieben, was die da essen und der Freund von Isabelle, der Bürgermeister, kocht immer für sie. Das wird so genau beschrieben, ich muss da aufpassen, dass mein Magen nicht knurrt.“

Das würde man natürlich auf der Aufnahme hören. Gabriele Blum liest schon lange nicht mehr vom Papier, weil selbst das beim Umblättern raschelt, sondern vom Tablet.

„Papier muss man extrem vorsichtig zur Seite legen und jedes Seitenumblättern unterbricht auch einen Moment, weil die Realität wieder einbricht.“

Hörbücher spielen

Als Videointerview Gabi Blum muss sie außerdem aufpassen beim Lesen nicht zu viel zu gestikulieren. Gabriele Blum taucht ab in die Welt der Geschichte und befindet sich in ihrem Kopfkino. Sie liebt es auch Hörbücher und vor allem die Dialoge zu spielen.

Das ist wie auf der Bühne sein, nur das man den Bauch nicht einziehen und keinen Text auswendig lernen muss.

Madame le Commisaire und die späte Rache ist am 2. Juni als Buch und als Hörbuch erschienen. Dann könnt auch ihr mit an die Côte d’Azur.

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1986 in Oldenburg geboren. Sitzt und spricht. Ersteres meist beim Schreiben für verschiedenste Projekte. Zweiteres auch gerne im Stehen. Auf Bühnen bei Poetry Slams im ganzen Land oder im Radio. Sie ist Mitglied der Lesebühne "Rakete 2000" und lebt in Berlin.