Buch oder Film? – Die Sache mit den Literaturverfilmungen

„Der Film war schon okay, aber das Buch ist einfach viel besser.“ Jeder, der mal mit einem echten Bücherwurm im Kino war, hat diesen Satz beim Verlassen desgleichen schon gehört. Und jeder, der Bücher selbst verschlingt wie ein ausgehungerter Zirkuslöwe ein rohes Steak, hat genau das am Ende einer Literaturverfilmung schon mal vor sich hergemurmelt.

Verschiedene Arten eine Geschichte zu erzählen

Buch oder Film? Film oder Buch? Und kann man auch einfach beides lieben?

Fakt ist: Es handelt sich hier um zwei verschiedene Medien. Nehmen wir noch das Hörbuch hinzu, sogar um drei. Geschichten können auf viele Arten erzählt werden. Sie werden zwischen zwei Buchdeckeln ebenso lebendig wie durch die Stimme eines Erzählers und durch die Bilder eines Kinofilmes. Jedes Medium bietet unterschiedliche Möglichkeiten. Eine Literaturverfilmung gewinnt durch die bildliche Erzählebene, verliert aber nicht selten an Inhalt und Tiefe, weil auch mehr als die typischen 90 Film-Minuten nicht ausreichen.

Filmemacher scheinen beim Erzählen trotzdem gerne auf literarische Vorlagen zurückzugreifen. Es gibt unendlich viele Literaturverfilmungen und viele Menschen wissen oft gar nicht, wie viele große Filme eigentlich auf einem Buch basieren. Auch Disney greift häufig auf Literatur und Märchen zurück und bei erfolgreichen Bestsellern ist oft nur eine Frage der Zeit, bis das Buch zum Film wird.

Harry Potter und Frodo Beutlin

Nachdem der vierte Harry Potter Band in den Bücherläden stand und die Potter-Mania so richtig ausgebrochen war, erschien 2001 der erste Harry Potter-Film. Ich war damals 15 Jahre alt, zuerst voller Vorfreude und dann sehr enttäuscht. Nicht weil ich den Film schlecht fand, sondern weil ich mich ziemlich schnell nicht mehr erinnern konnte, wie Harry, Ron und Hermine in meinem Kopf ausgesehen hatten, bevor Warner Brothers sie mir als Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma Watson vorgestellt hatte. Auch Hogwarts und der Rest der Zauberwelt sahen in meiner Phantasie nun sehr filmähnlich aus.

Ungefähr zur gleichen Zeit lief auch die Herr der Ringe-Trilogie in den Kinos. In diesem Fall hatte ich die Bücher, die in den 50er Jahren erschienen, nicht gelesen und teilte die allgemeine Begeisterung für Peter Jacksons Meisterwerk, das mit insgesamt 17 Oscars prämiert wurde. Während ich nach dem ersten „Harry Potter“ Film Literaturverfilmungen fast abgeschworen hatte, fand ich den „Herr der Ringe“ auf der Leinwand großartig.

Klassiker der Literaturgeschichte

Oft bieten Verfilmungen einer neuen Generation ältere Geschichten wieder an. Nicht viele Leute setzen sich abends mit einem Stück von Shakespeare auf die Couch, es sei denn sie müssen es für die Schule oder Uni lesen oder sind einfach große Shakespeare-Fans. Filme wie Romeo und Julia z.B. mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes in den Hauptrollen erreichen heute wohl eine breitere Masse.

Literarische Klassiker bekommen durch Verfilmungen neue Aufmerksamkeit. Manchmal erhalten auch einen frischen Anstrich und werden an die heutige Zeit angepasst, wie zum Beispiel der Film O – Vertrauen, Verführung, Verrat, der auf Shakespeares Othello basiert.

Wenn man mal darüber nachdenkt, fallen einem unglaublich viele erfolgreiche Kinofilme ein, die auf Literaturklassikern beruhen: Les Miserablés  von dem französischen Romantiker Victor Hugo, Das Parfüm von Patrick Süßkind, Stolz und Vorurteil stellvertretend für alle Jane Austen Romane und deren Verfilmungen, Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde, Anna Karenina von Leo Tolstoi, Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald und so viele mehr. Diese Geschichten bieten einfach wunderbaren Stoff für großartige Verfilmungen und werden so ein Stück zu neuem Leben erweckt.

Was? Das war ein Buch?

Wusstet ihr, dass auch Forrest Gump eine Literaturverfilmung ist? Genauso wie Fight Club? Wer sich jetzt dabei erwischt, wie er oder sie „Ach was!“ murmelt, beweist: Manchmal sind die Filme bekannter als die Bücher.

Eure Meinung zu Buchverfilmungen

Was denkt ihr über Literaturverfilmungen? Machen sie eure Phantasie kaputt? Oder sind sie eine Bereicherung? Sieht Dorian Gray in euren Köpfen aus wie Ben Barnes und Anna Karenina wie Keira Knightley?

Seid auch ihr schon mal enttäuscht aus dem Kino gekommen, weil das Buch einfach besser war?

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1986 in Oldenburg geboren. Sitzt und spricht. Ersteres meist beim Schreiben für verschiedenste Projekte. Zweiteres auch gerne im Stehen. Auf Bühnen bei Poetry Slams im ganzen Land oder im Radio. Sie ist Mitglied der Lesebühne "Rakete 2000" und lebt in Berlin.

Kommentar (Buch oder Film? – Die Sache mit den Literaturverfilmungen)

  1. Ach, ich liebe Literaturverfilmungen – wenn sie gut gemacht sind. Und manchmal entdecke ich dadurch tatsächlich erst tolle Bücher – und Schriftsteller.

    Ich habe mich z. B. in Kino in „Zauberhafte Schwestern“ mit Sandra Bullock und Nicole Kidman verliebt und „Der Sternenwanderer“ gefällt mir sogar noch besser als die Buchvorlage von Neil Gaiman.

    Manchmal geht’s allerdings auch kräftig in die Hose, das stimmt wohl ,-)

  2. Ich hab nichts gegen die Verfilmung von Büchern, aber wenn, dann bitte an die Vorlage halten. Was leider nicht immer so ist.
    Und auch nicht alles mit Gewalt verfilmen, ich hab ein paar Lieblingsbücher/-autoren, die will ich nicht sehen.
    Das würde meiner Phantasie schaden – Lesen/Hören ist Abenteuer im Kopf, und so solls auch bleiben.

  3. Der Herr der Ringe hat mich stellenweise enttäuscht, aber auch überrascht. Das man die Bücher nicht komplett verfilmen konnte war mir klar, aber warum musste das Ende so ganz anders sein.