Hinter den Kulissen von Monster 1983

Wir stellen euch heute das nächste selbstproduzierte Hörspiel vor – die Retro-Mystery-Serie Monster 1983. Erinnert ihr euch noch an die 80er Jahre – als der King of Pop noch zu Thriller tanzte und Kultfilme wie Poltergeist, Gremlins und Goonies die Massen begeisterten? Monster 1983 erweckt die Stimmung und den Sound der 1980er zum Leben. Polaroids waren noch High-Tech, die meisten Telefone hatten eine Wählscheibe und Hörspiele wurden auf Kassette gehört.

Ab heute könnt ihr euch die erste Folge gratis herunterladen.

Die Geschichte um die Jagd nach einem mysteriösen Mörder im 80er-Jahre-Flair stammt aus der Feder von Regisseur und Autor Ivar Leon Menger sowie seinen Kollegen Anette Strohmeyer und Raimon Weber.

Wir hatten die Möglichkeit, den Regisseur im Studio zu treffen und ihm ein paar Fragen zu der Produktion zu stellen.

Interview mit Ivar Leon Menger

 

1.       Ivar, du bist der Regisseur des Hörspiels „Monster 1983“ und hast auch das Skript dazu geschrieben. War das eine Auftragsarbeit oder bist du mit der Idee zu Audible gegangen?

Das ist tatsächlich eine längere Geschichte, die so gar nicht geplant war. Als ich letztes Jahr die Serienidee zu „Monster 1983“ entwickelte, hatte ich es ursprünglich als 6-teilige eBook-Serie konzepiert – mit Anette Strohmeyer und Raimon Weber als Roman-Autoren, weil die beiden einen sehr ähnlichen Schreibstil haben. Parallel dazu wollte ich gerne, wie bei „Darkside Park“ und „Porterville“, eine Hörbuchfassung dazu veröffentlichen. Also habe ich einen Video-Trailer für „Monster 1983“ produziert und die ersten beiden Kapitel von David Nathan als Hörbuch sprechen lassen, die ich dann auf der Frankfurter Buchmesse 2014 drei verschiedenen Labels präsentiert habe. Alle drei wollten meine Serie gerne produzieren. Unter anderem Audible, die mich fragten, ob ich mir nicht vorstellen könnte, eine exklusive 10-teilige Hörspielserie daraus zu machen. Ein Hörspiel? Da habe ich natürlich nicht nein gesagt und habe nach langer Zeit endlich auch mal wieder selbst ein paar Folgen geschrieben. Und das hat verdammt viel Spaß gemacht!

2.       Warum Audible?

Ein weiterer Grund, warum ich mich für Audible entschieden hatte, war, dass Audible die erste Staffel auch ins Englische übersetzt – für den amerikanischen und britischen Markt. Das ist natürlich extrem großartig, eine wirklich tolle Chance auch international seine Geschichten erzählen zu können. Und darüber hinaus waren die vielen Vorgespräche ganz fantastisch, wir hatten alle das gleiche Ziel bei der Serie: ein ganz neues Hörerlebnis zu erschaffen und das Hörspiel wie bei einer Netflix-Serie filmisch zu erzählen – wie eine Art „Popcorn-Kino-Hörspiel“.

3.       Erzähl uns doch mal kurz vom Prozess – wie läuft sowas ab, wenn man eine Idee abgeliefert und das GO hat, eine Hörspielserie zu schreiben?

Bevor wir als Autorenteam überhaupt anfangen konnten zu schreiben, mussten wir erst einmal eine ganz genaue Storyline entwickeln. Also, was passiert in welcher Folge, was in jeder einzelnen Szene. Am Ende waren das allein 90 Din A4-Seiten. Dafür habe ich Anette und Raimon Ende März für drei Tage zu mir nach Darmstadt eingeladen und wir haben dann gemeinsam intensiv die ganzen Figuren, Plots und Twists entwickelt. Danach haben wir uns sofort an die Arbeit gemacht. Und Ende Mai 2015 hatten wir dann die 10 Stunden Hörspiel fertig geschrieben.

4. Warum ein Hörspiel, das die 80er Jahre als Thema hat? Was sind Kassettenkinder für dich?

Ich hatte letztes Jahr viele 80er Jahre Filme und Serien gesehen, z.B. „Die Goonies“, „E.T.“, „Lost Boys“, „Stand by me“ und „Poltergeist“. Und dabei ist mir aufgefallen, dass damals alles viel fantastischer war, ich nenne es gerne „da war mehr Nebel, der aus den Gullis kam“, und überhaupt war bei den Spielberg-Filmen mehr Witz und Spaß drin. Die Figuren waren stark schwarz/weiß gezeichnet und alles war nicht so hyperrealistisch und brutal. Auf diese Weise wollte ich auch gerne mal eine spannende Geschichte erzählen. Und ja, natürlich war ich früher auch ein Kassettenkind und habe „Die drei ???“, „John Sinclair“ und „Macabros“ verschlungen. Aber für die Entwicklung von Monster 1983 hatte ich eher die 80er Jahre-Filme im Kopf.

5.       Das ist ja nicht dein erstes Hörspiel, im Gegenteil, du hast ja bereits sehr erfolgreiche Hörspiele umgesetzt – erzähl doch mal!

Ursprünglich komme ich ja aus dem Filmbereich und mein erstes Drehbuch damals war „Der Prinzessin“, das ich zusammen mit meinem Freund Jan-David Rönfeldt als Hörspiel umgesetzt hatte, um den Filmproduzenten das Lesen des Skripts zu ersparen. (lacht) Es wollte aber trotzdem niemand produzieren. Dafür hat mich jedoch überraschenderweise Jens Wawrzceck, der bei „Der Prinzessin“ mitgespielt hat, bei Sony für „Die drei ???“ als Hörspiel-Autor empfohlen. Und so kam ich dann über Umwege zum Hörspiel. Es folgten „Plan B“, die Serien „Dodo“ und „Darkside Park“, sowie natürlich „Die drei ???“.

6.       Wenn man sich den Cast von „Monster 1983“ anschaut, findet man die deutsche Sprecherprominenz bis zu den kleinsten Rollen. Wie kriegt man die alle zusammen und wie bekommt man vielbeschäftigte Sprecher für eine noch so kleine Rolle ins Studio?

Ich arbeite einfach gerne mit meinem engen Ensemble-Kreis zusammen, also mit allen Sprecherinnen und Sprechern, mit denen ich schonmal gearbeitet habe. Denn ich möchte schließlich Spaß bei der Arbeit haben! So sind z.B. Luise Helm aus „Dodo“ und „Plan B“ wieder mit dabei, David Nathan aus „Der Prinzessin“ oder Simon Jäger und Katja Brügger aus „Plan B“. Und natürlich viele weitere wie z.B. Ekki Belle, Till Hagen, Udo Schenk, Patrick Bach oder Joachim Tennstedt. Bei „Monster 1983“ war der Cast allerdings so groß, dass ich auch viele neue Schauspieler einladen durfte. Darüber freue ich mich besonders, denn so wird meine Ensemble-Familie noch größer und ich freue mich schon auf die nächsten Produktionen.

Hier geht es zur Besetzungsliste von Monster 1983.

7.       In so großen Produktionen passieren doch auch immer wieder lustige oder skurrile Dinge. Gab es das auch bei Monster 1983? Hast du da ein, zwei Geschichten für die Leser?

Lustige Sachen sind auf jeden Fall passiert. Aber auch viele mysteriöse Dinge. Da ist zum Beispiel die Geschichte mit Till Hagen, der normalerweise immer überpünktlich ist und 10 Minuten früher zum Aufnahmetermin kommt. Aber er kam einfach nicht. 5 Minuten vergingen. 10 Minuten. Nach zwanzig Minuten habe ich dann bei ihm angerufen, ob er vielleicht den Termin vergessen hätte. Nein, hatte er nicht. Aufgeregt berichtete er mir, dass ein Tag vorher eine Dame bei ihm auf dem Festnetz angerufen und seine Aufnahmen von „Monster 1983“ auf unbestimmte Zeit verschoben hätte. Was? Wir konnten uns das alle nicht erklären – ein Sabotageakt? Ein Geist? Wer war diese Frau? Es war auch keine Ausrede, denn Till Hagen war sogar wütend, weil er kurz zuvor die kompletten 10 Stunden Skript durchgelesen und vorbereitet hatte und sich auf die Aufnahmen freute. Er hat sich dann schnell ins Auto gesetzt und wir konnten die Aufnahmen mit etwas Verzögerung beginnen. Bis heute haben wir keine Erklärung dafür gefunden. „Seltsam? Aber so steht es geschrieben.“

8.       Was empfindest du als größte Herausforderung beim Regieführen eines Hörspiels?

Das ist eine schwierige Frage, denn auf die Aufnahmen freue ich mich als Regisseur am meisten. Ich freue mich darüber mit super netten, großartigen Schauspielern zu arbeiten und sehe da eigentlich nie irgendwelche Herausforderungen. Denn für mich ist die Besetzung der Rollen das Allerwichtigste. Wenn Sprecher und Figur zu 100% übereinstimmen, dann kann im Studio eigentlich nichts mehr schief gehen. Ja, für mich ist die Besetzung einfach das Wichtigste. Aber wenn ich wirklich eine Herausforderung nennen müsste, dann sind es vielleicht die Namen von real existierenden Orten oder Menschen. Beim Lesen denke ich da kaum drüber nach und im Studio kommt dann plötzlich die Frage „Wie soll ich das denn aussprechen?“ Ohje. Dann wird schnell gegooglet…

9.       Welche Figur ist dir bei “Monster 1983” besonders ans Herz gewachsen?

Natürlich mag ich Sheriff Cody, Taylor und Deputy Landers ganz besonders gerne. Auch die drei Jungs mit ihren BMX-Rädern. Mr Briggs und Mr Fisher. Und Susan und Amy. Und Mr Loman. Mensch, das ist echt schwer. Ich mag sie eigentlich alle so gerne. Ich glaube, je länger ich darüber nachdenke, müsste ich alle 45 SchauspielerInnen nennen. Aber dafür fällt mir eine Lieblingsszene ein. Das Vater-Sohn-Gespräch am Ende von Folge 9 zwischen Mr Forster und Toby. Das geht echt unter die Haut.

10.   Welches Hörspiel hast du damals am liebsten auf Kassette gehört?

Am liebsten gehört und gegruselt habe ich mich bei „Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten“ mit Horst Frank. Und obwohl es so unheimlich war, musste ich es jede Nacht hören.

Zum Download der gesamten Hörspielserie Monster 1983.

 

 

Share on Facebook0Google+0Tweet about this on Twitter0

Silvia sorgt dafür, dass ihr im Hörbücher-Blog regelmäßig spannende Hintergrundinfos über Autoren und Sprecher oder Hörbuchproduktionen bekommt und geht für euch zu Lesungen.