Wer gewinnt den Deutschen Hörbuchpreis 2016?

Die Todeszone von Tschernobyl, die andersweltige Tiefe einer Depression, eine orchestrierte Dystopie, bayerisch-sizilianische Komik und die berühmtesten Jungdetektive der Kassettengeneration: Im März feiert der Deutsche Hörbuchpreis 2016 Gewinner aus allen Facetten der Hörbuchlandschaft.

Publikumspreis HÖRkules für Passagier 23!

Passagier 23 von Sebastian Fitzek

Wir sind stolz! Der Publikumspreis des deutschen Buchhandels – der HÖRkules – geht in diesem Jahr an den von Lübbe Audio und den Audible Studios gemeinsam produzierten Hörbuch-Thriller Passagier 23 von Sebastian Fitzek. Sprecher Simon Jäger nahm den Preis am 8. März entgegen und präsentierte sein Können in einem kleinen Auszug.

Sophie Rois als „Beste Interpetin“

Baba Dunjas letzte Liebe

Schon zum zweiten Mal gewinnt Schauspielerin Sophie Rois diesen Preis. 2006 für ihre Lesung von Jane Eyre gekürt, schlüpft sie diesmal in Alina Bronskys Roman Baba Dunjas letzte Liebe in die Haut der alten, grantelig-gutherzigen Baba Dunja. Mit einer Handvoll weiterer betagter, teils totkranker Bewohner ist diese in ihr altes Heimatdorf in der immer noch verstrahlten Todeszone um Tschernobyl zurückgekehrt. Das einfache, trotzige Leben dort klingt in der markanten Stimme von Sophie Rois hautnah. Die Jury lobt ihre „apart brüchige Stimme“ und die Authentizität des Vortrags. „Sophie Rois liest nicht vor, sie ist Baba Dunja.“

Lars Eidinger als „Bester Interpret“

Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache

In David Foster Wallace‘ Erzählung Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache verpackt Schauspielkollege Lars Eidinger die furchtbaren depressiven Erfahrungen des Schriftstellers in eine dreiviertelstündige „emotionale Achterbahnfahrt.“ Ein Student wird durch schwere Depression und Medikation sprichwörtlich auf einen anderen Planeten katapultiert. Eidinger transportiert dessen Eindrücke unmittelbar erlebbar, „mit aller Absurdität, aber auch allen Schmerzen“.

Wir als „Bestes Hörspiel“

Christoph Kalkowski und Raphael D. Thöne
Wir

Den wiederentdeckten dystophischen Roman Wir von Jewgenij Samjatin haben Regisseur Christoph Kalkowski und Komponist Raphael D. Thöne in ein monumental orchestriertes Hörspiel verwandelt und sahnen damit den von Audible gesponserten Preis als „Bestes Hörspiel“ ab. Darin ist das Mathematische Zeitalter angebrochen, und die Menschen führen als Nummern in gläsernen Wohnungen ein Leben unter dem Joch der Vernunft. Die Jury lobt, Wir entwickele „auf mehreren Ebenen einen Sog“, dem sich der Zuhörer nicht enziehen könne. „Bombastisch und behutsam, betörend und ernüchternd“, begeistern sich die Juroren. „Perfektes Hör-Kino!“.

Deutschland. Erinnerungen einer Nation als „Bestes Sachhörbuch“

Burghart Klaußner und Burkhard Schmid
Deutschland.Erinnerungen einer Nation

Deutsche Vergangenheit durch die Augen eines britischen Schriftstellers – für Neil MacGregor’s Geschichtsminiaturen Deutschland. Erinnerungen einer Nation von Gutenbergs Druckerei über Bratwurst, die Krone Karls des Großen bis hin zu den Toren von Buchenwald werden Sprecher Burghart Klaußner und Regisseur Burkhard Schmid geehrt. Die Jury zeigte sich beeindruckt von der Kompetenz Klaußners, die deutschen Momente „erzählerisch zu fassen“. So sei ein Sachhörbuch „unterhaltsame Information im besten Sinne“.

Philipp Moog als „Beste Unterhaltung“

Tante Poldi und die sizilianischen Löwen

Den leichten, humorvollen Part unter den Preisgekrönten übernimmt der Münchner Schauspieler und Sprecher Philipp Moog. Aus seiner „leichten und spritzigen“ Lesung der Krimi-Parodie Tante Poldi und die sizilianischen Löwen von Mario Giordano hörte die Jury „hörbaren Spaß an bayerischer Mundart und italienischem Parlando“ heraus. Das einhellige Urteil über die Geschichte zwischen rüstiger deutscher Tante, Dolce Vita und italienischen Mafiosi: „Un grande divertimento“ – ein großes Vergnügen!

Die unendliche Geschichte als „bestes Kinderhörbuch“

Petra Feldhoff und Ulla Illerhaus
Die unendliche Geschichte. Das Hörspiel

Separat von der Duda-Kinderjury zum Gewinner gewählt wurde die Hörspiel-Inszenierung von Michael Endes Kinderbuchklassiker Die unendliche Geschichte. Mehr als vierzig großartige Sprecher, unter ihnen Anna Thalbach, Mechthild Großmann und Jens Wawrczeck und eine eigens komponierte Musik nebst Geräuschkulisse lassen junge (und ältere) Hörer gänzlich in die Welt Phantásiens und die Abenteuer von Bastian Bux eintauchen. Preisträgerinnen sind WDR-Chefredakteurin Petra Feldhoff und Redakteurin Ulla Illerhaus, die das Hörspiel inszenierten.

„Die Quellen sprechen“ als „Beste verlegerische Leistung“

Der Hörverlag und der Bayerische Rundfunk

Als „Mahnmal“ würdigt die Jury diese Sammlung enzyklopädischer Quellentexte und Zeitzeugenberichte zur Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch die deutschen Nazis von 1933 bis 1945. Die Quellen sprechen ist der erste Teil eines Mammutprojekts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte, das mit den Sprechern Bibiana Beglau und Matthias Brandt die „Geschichte in Gestalt derer nahebringt, die sie erlebt haben“.

„Sonderpreis“ für Die drei ???

Alle zwei Jahre vergeben, gewinnen 2016 Deutschlands altgedienteste Jungdetektive der Kassettenkinder-Generation den Sonderpreis. Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich als Die drei ??? haben die Auszeichnung bei der großen Gala am 8. März in Köln entgegen genommen.

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Ute Esken

Ute Esken ist 'made in Germany', hat ihr Herz aber dort, wo man Englisch spricht: Sie hat ein Jahr in den Südstaaten gelebt und liebt New York und London. Für Audible schreibt Ute regelmäßig über englische Hörbuchschätze und stellt die interessantesten englischen Hörbuch-Neuerscheinungen vor. Auf ihrem eigenen Blog 'buchstapelweise' rezensiert sie Bücher und Hörbücher.