Auf einen Schnack mit Oliver Kube

Mit Märchenerzähler Oliver Kube im märchenhaften Garten in Tempelhof.
Steckbrief Oliver Kube_640x460Oliver, du hast hier einen märchenhaften Ort für unser Treffen ausgesucht – wo sind wir hier?

Wir sind gerade in der Albrechtshöhe, einer Kleingartenkolonie in Tempelhof. Ein traumhafter Ort und wir haben hier glücklicherweise seit 2012 einen sehr schönen Garten. Es gibt hier leicht verwilderte Ecken und ein wohl dosiertes Chaos. Für mich ist das hier ein wunderschönes Refugium.

Mir liegen besonders die Geschichten am Herzen, die einen gewissen Witz aufweisen oder eine besonders dunkle Grundstimmung haben.

Wie wurdest du Märchenerzähler?

Märchenerzähler wurde ich durch ein Engagement auf einem inszenierten Weihnachtsmarkt in Dresden. 1000 Funkel, das war eine wirklich großartige Produktion! Etliche Schauspieler und Tänzer wirkten dabei mit und es wurde mit sehr viel Liebe zum Detail inszeniert. Als die Rolle, die ich spielen sollte, wegfiel, wurde ich gefragt ob ich auch Märchen erzählen würde. Ich habe dann ziemlich schnell Feuer gefangen für etwas, das man im Allgemeinen als Kinderkram abtut.

Was erwartet deine Zuschauer, wenn sie zu dir kommen und Märchen hören?

Mich interessieren vor allem Märchen, die man nicht so kennt und ich probiere erzählerisch Dinge aus, die man von einem Märchenerzähler vielleicht nicht erwartet. Ich verwende auch Musik, spiele Ukulele oder auf einer singenden Säge. Manchmal setze ich auch meine alte Spieluhr ein, die man mit Lochkarten bestücken kann und singe dazu. Mir liegen besonders die Geschichten am Herzen, die einen gewissen Witz aufweisen oder eine besonders dunkle Grundstimmung haben.

Kennst du denn so viele Märchen auswendig?

In den letzten zwei Jahren habe ich fast nichts anderes mehr gelesen als Märchen. Es gibt so viele verschiedene Ansätze, Märchen zu erzählen. Ich erzähle die Märchen nach. Das heißt ich lerne den Text nicht auswendig, sondern ich wähle meine Worte und Erzählweise nach meinem Publikum aus. Für Erwachsene erzähle ich also ganz anders als für Kinder.

Wie würdest du die Atmosphäre beschreiben, die dadurch entsteht?

Gespannt aber auch gelöst, würde ich sagen. Je nachdem welche Märchen ich zum Besten gebe. Die Atmosphäre ist mir sehr wichtig. Gerüche oder Klänge. Tee aus dem Samowar. Ich schaffe gerne Bezüge zwischen meinem Erzähltext und dem Publikum. Eine geschälte Apfelsine zum Beispiel kann wahre Wunder wirken…

Das klingt richtig spannend. Wo können wir dich denn live erleben?

Ich trete in Berlin und im weiteren Berliner Umland auf. Zum Beispiel erzähle ich regelmäßig in Himmelpfort in Brandenburg, wo ganz offiziell der Weihnachtsmann zuhause ist. Bei den Berliner Märchentagen im November werde ich auch zu erleben sein. Zusammen mit einem Musiker werde ich aus dem Persischen Papageienbuch erzählen. Am besten sieht man sich die Termine und Orte auf meiner Homepage an.

Hast du ein Lieblingsmärchen?

Ja, das Märchen vom Machandelbaum. Eine wunderschöne Sprache, sehr poetisch, aber auch sehr brutal. Eher kein Kindermärchen.

Was hast du eigentlich vor deiner Zeit als Märchenerzähler gemacht?

Nach meiner Elevenausbildung am Theater in Magdeburg spielte ich zwei Jahre am Jugendtheater in Cottbus. Dann kam ich nach Dresden, wo ich in freien Ensembles gearbeitet habe. Anschließend ging es nach Berlin, wo ich seither als Sprecher, Schauspieler und Puppenspieler unterwegs bin.

Wenn man Theater spielt oder wenn ich Märchen erzähle, habe ich eine längere Probenzeit, beim Hörbuchsprechen gibt es diese Probezeit nicht.

Hast du da Vorbilder?

Ich bewundere Stefan Kaminsiki zum Beispiel sehr, der seine Stimme unglaublich vielfältig verändern kann. Mich fordert das sehr heraus. Genau das macht aber auch großen Spaß: Sich dabei immer wieder auszuprobieren.

Was ist für dich ein ganz besonders großer Unterschied zwischen deinen verschiedenen Jobs?

Wenn man Theater spielt oder wenn ich Märchen erzähle, habe ich eine längere Probenzeit. Während der Probe sehe ich, was funktioniert und was nicht. Beim Hörbuchsprechen gibt es diese Probezeit nicht. Man macht es einfach und weiß erst im Nachhinein, ob es gut gegangen ist.

Was bedeutet das für deine Arbeit im Studio?

Beim ersten Hörbuch wurde mir bewusst, dass ich selbst für die Regie verantwortlich bin. Man bekommt selten Input von außen, sondern muss während man liest, auch selbst spüren, ob es in die richtige Richtung geht. Das bedeutet viel Vorbereitungszeit. Aber ich liebe das konzentrierte Arbeiten im Studio.

Angenommen, du müsstest noch mal von vorn anfangen. Was würdest du nie wieder so machen?

Jede andere Entscheidung oder ein anders eingeschlagener Weg hätte mich vielleicht ja auch ganz woanders hingebracht. Aber da wo ich jetzt bin, mit meiner Familie und mit meinem Beruf, fühle ich mich sehr wohl. Da würde ich wohl gar nichts ändern wollen.

Alle Hörbücher mit Oliver Kube findet ihr hier.
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