Auf einen Schnack mit
Simon Jäger

Mit Simon Jäger vor den Toren Berlins
Steckbrief Simon Jäger
Steckbrief von Simon Jäger
Simon, das Spektrum deiner Hörbücher ist enorm. Suchst du dir gezielt diese verschiedenen Genres?

Als ich begann, Hörbücher zu sprechen, wollte ich einfach alles lesen, was so kam. Durch die verschiedenen Genres konnte ich mich sehr gut austesten und habe viel dabei gelernt. Mittlerweile suche ich mir etwas gezielter aus, was ich gerne sprechen möchte, das gebe ich zu.

Hast du einen Lieblingsautor?

Ja, absolut: Christopher Moore! Er ist einerseits richtig durchgeknallt, hat aber andererseits philosophische Ansätze, die fast schon romantisch sind. Ich mag den Schreibstil, auch wenn manches geradezu zotisch wirkt. Ich habe vor kurzem übrigens ein Buch von Salman Rushdie gesprochen. Das war auch überaus spannend!

Gibt es einen Grund dafür, weshalb du die Midnight Breed Reihe von Lara Adrian nicht mehr sprichst?

Ich habe Lara Adrian wirklich gerne gelesen, doch ich wollte wieder mehr Zeit für etwas Neues haben. Ich bin nicht der Typ für unendliche Reihen und hoffe, dass mir die Fans dieser Reihe das verzeihen.

Wann hast du denn angefangen, Hörbücher zu sprechen?

Ich habe schon als Kind mit dem Synchronisieren begonnen und bin ich da so rein gerutscht. Dann machte ich Synchronregie und schrieb Dialogbücher für die Synchronisation. Vor etwa 8 oder 9 Jahren kam dann das Hörbuchsprechen dazu.

Liest du deine Rezensionen?

Nein, eher nicht. Ich drücke mich vor Kritik, weil ich damit schlecht umgehen kann. Mir ist bewusst, dass Leute mir gerne zuhören, aber ich denke nicht darüber nach. Ich sehe es als meinen Beruf. Natürlich ist es schön, wenn man dafür ab und zu gelobt wird, aber ich finde nicht, dass man das wirklich gut oder schlecht machen kann. Ich denke eher, dass manchmal etwas gut funktioniert und manchmal eben nicht. Ob man ein Buch monotoner liest oder mit verteilten Stimmen, das ist Geschmacksache und kann auch sehr unterschiedlich bei den Hörern ankommen.

Macht das Hörbuchsprechen heute den größten Teil deiner Arbeit aus?

Zumindest einen sehr großen Teil, ja, und ich mache meinen Job im Hörbuchstudio auch sehr gerne. Ich arbeite auch weiterhin als Synchronsprecher und habe einige feste Rollen. Matt Damon spreche ich zum Beispiel schon sehr lange. Bei so manchem großen Schauspieler wurde ich leider nach und nach umbesetzt, das finde ich schade. Regie führe ich heute nicht mehr. Dieser Job wurde immer politischer, denn es mischen in dieser Branche mittlerweile einfach zu viele Menschen mit. Ich empfand das als Nachteil in Bezug auf die Arbeit.

Die Synchronbranche scheint nicht einfach zu sein…

Das ist sie ganz sicher nicht. Es hat sich viel geändert. Ganz abgesehen von dem mittlerweile sehr hohen Zeitdruck, hat die Filmindustrie schlichtweg vieles zerstört. Filme werden nur noch übersetzt, nicht mehr richtig umgesetzt. Doch durch schnelle Übersetzungen geht viel Charme und der Charakter eines Filmes verloren. So manche englische Witze verlieren ihre Pointen oder funktionieren auf Deutsch nicht, wenn man sie nur wörtlich übersetzt. Ohne jetzt alles nur schlecht reden zu wollen, doch ich empfinde so manchen Synchrontext aus den 1980 er Jahren deutlich einfallsreicher als das, was heute im Allgemeinen gemacht wird.

Hat die intensive Auseinandersetzung mit Sprache dich mittlerweile geprägt?

Ich kann sicherlich heute sehr viel besser mit der Sprache umgehen als früher. Deutsch bietet mir sehr viele Möglichkeiten. Ich habe heute eine Menge Vokabeln zur Verfügung und diesen Wortschatz habe ich sicher über meinen Job erarbeitet.

Du hast dir ein richtiges Home Studio eingerichtet. Wie kam es dazu?

Eigentlich war es gar nicht vorgesehen, ein Heimstudio zu bauen. Anfangs wollte ich einfach nur einen Proberaum haben, um dann Musik machen zu können, wann ich wollte und um meine eigenen Projekte zu entwickeln. Nach und nach wurde dann aber ein Studio daraus.

Wirkt es sich deiner Meinung nach auf deine Arbeit aus, wenn du in deinem eigenen Studio aufnimmst?

Nein, das würde ich nicht sagen. Wenn ich im Studio sitze, ist es im Grunde egal, wo sich das Studio befindet. Doch natürlich ist es ganz allgemein entspannter für mich, ich habe ja keinen Arbeitsweg.

Du sagtest, du wolltest einen Proberaum. Welche Instrumente spielst du?

Ich spielte schon als Kind Klavier, dann kamen Schlagzeug und Gitarre dazu. Schließlich wollte ich noch Bass lernen, das ist einfach das beste Instrument und liegt mir am meisten!

Das ist eine Menge! Spielst du all diese Instrumente regelmäßig?

Naja, ich spiele sie natürlich nicht wie ein studierter Musiker, aber es reicht, um in einer Band zu spielen. Wir hatten ja früher unsere sehr coole Band Tante Bob. Leider hat sie sich etwas zerfasert, weil wir alle so wenig Zeit hatten. Mir sind jetzt im Augenblick andere Projekte wichtiger und gerade stürze ich mich sehr auf Sprache.

Es gibt das mein Alter Ego, Herr Burda. Er lebt in einem Ofen auf einen Würfel und redet mit Goldfischen.

Gibt es da konkrete Projekte?

Ich schreibe zumindest sehr viel. Es gibt das mein Alter Ego, Herr Burda. Er lebt in einem Ofen auf einen Würfel und redet mit Goldfischen. Sein Leben auf dem Würfel ist so schön einfach: Die blaue Seite ist das Meer, die gelbe Seite ist der Sommer und die weiße Seite ist der Winter. Doch auch dieses so leichte und strukturierte Leben hat seine Tücken. Wenn Regeln außer Kraft gesetzt werden, tun sich eben andere Regeln auf. Damit kämpft Herr Burda noch. Ich kompensiere also so ein bisschen den Irrsinn, mit dem ich nicht zurecht komme und dann treffe ich Herrn Burda.

Das klingt richtig lustig – ist eine Veröffentlichung geplant?

Ich weiß noch nicht. Ja, vielleicht eines Tages. Ich würde dazu gerne Bilder zeichnen lassen. Mal sehen, wie sich das alles noch gestaltet…

Leider kann man dich im Augenblick nur selten live erleben. Warum ist das so?

Ich bin sehr gerne mit dem Publikum zusammen, auch wenn ich kein Typ für das Bad in der Menge bin. Ich bin wohl lieber der Typ im Verborgenen. Mein Job ist ja ein einsamer Job und das mag ich. Aber natürlich wollen wir weiterhin unsere Prima Vista Lesung machen, nur nicht mehr so oft wie früher.

Simon, bitte vervollständige diese Sätze: Wenn ich kein Sprecher geworden wäre, wäre ich…

…vielleicht Tischler geworden. Das hatte ich mir als Jugendlicher jedenfalls vorgestellt und ich finde auch heute noch toll, was man alles für Formen drechseln kann.

Der peinlichste Song auf meinem Handy ist…

…Chumbawamba, das ist etwas, was ein bisschen unangenehm ist… das ist mir peinlich! Aber ich kann das erklären! Ich habe doch mal in einer Coverband gespielt und da musste ich mir so einiges herunter laden, was verdammt peinlich ist!


Chumbawamba – Tubthumping

Mein Job in drei Adjektiven ist…

…komplex, spaßig, unterhaltsam und anstrengend. Oh, das sind ja vier!

Geld ist für mich…

…Absurd!

In 50 Jahren bin ich hoffentlich…

…sehr entspannt auf einer Terrasse am Meer. Mit einem kleinen Strohhütchen auf dem Kopf. Vielleicht gibt’s dann sogar noch Fischerboote. Vielleicht gibt’s dann sogar noch Wasser!

Alle Hörbücher mit Simon Jäger findet ihr hier.
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