„Mein Hörbuch soll Kindern helfen“

Franziska van Almsick kennt man vor allem noch aus dem Schwimmbecken: Die gebürtige Berlinerin ist mehrfache Europa- und Weltmeisterin. Am 15. Juli 2017 erscheint ihr Kinderbuch „Paul Planschnase lernt schwimmen“ erstmals als Hörbuch bei Audible. Wir sprachen mit der Autorin über ihre Motivation für diese Geschichten und worauf sie nun vielleicht seltener im Schwimmbad angesprochen wird.

 

Franziska van Almsick, es klingt so naheliegend, dass ausgerechnet Sie ein Buch über Schwimmen schreiben. Bitte verraten Sie uns: Wie kam es dazu?

Tatsächlich habe ich die Idee schon sehr lange mit mir herumgetragen, weil mir unheimlich wichtig ist, dass Kinder richtig und sicher schwimmen lernen. Die Lust darauf kann man Kindern vielleicht über eine schöne Geschichte noch etwas besser vermitteln.

Also gab es keinen besonderen Aufhänger, eine bestimmte Situation oder Gespräch, nach der Sie das Buch unbedingt schreiben wollten?

Nein, eigentlich nicht. Ich werde zwar häufig von anderen Eltern angesprochen, wenn ich selbst – alleine oder mit meinen Kindern – im Schwimmbad bin, ob ich nicht ein paar Schwimmlerntipps geben kann, aber das war nicht der Grund, weswegen ich das unbedingt einmal aufschreiben wollte. Vielmehr liegt mir das Thema „sicher schwimmen lernen“ sehr am Herzen. .

Wie kamen Sie auf die Idee der Geschichte mit Paul Planschnase und seinen Helfern? Ist die Namensverwandheit zum deutschen Schwimmstar Paul Biedermann gewollt?

Paul ist der Spitzname meines großen Bruders, ich habe dabei nicht an Paul Biedermann gedacht. Überhaupt tragen viele der Figuren im Buch Namen von Freunden oder Familienmitgliedern – das ist für meinen vierjährigen Sohn Mo Vito oft lustig, weil seine Lieblingsfigur im Buch Hanna heißt, genau wie seine Cousine. Die Idee mit den Helfern kam mir sehr früh, denn Schwimmen kann man nicht alleine lernen. Das Treibholz Karl in den Geschichten von Paul Planschnase etwa ist eigentlich ein Schwimmbrett: Mit einem Schwimmbrett kann man die gleichen Übungen machen, wie Paul im Buch mit Karl. Ich bin ein sehr kreativer Mensch, auch das Schreiben hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe bewusst selbst schreiben wollen, das sollte kein Ghostwritter für mich machen. Die Idee war: Eine fiktive, nette Geschichte, in der ein paar Tipps anschaulich erzählt werden. „Paul Planschnase“ ist kein Lehrbuch, kann aber trotzdem den Kindern helfen, an das Schwimmenlernen herangeführt zu werden. Um technisch sauber und damit auch sicher schwimmen zu können, ist aber ein Schwimmkurs wichtig.

Wie wichtig ist Ihnen, dass Kinder richtig und rechtzeitig schwimmen lernen?

Sehr wichtig. Ich habe meinen Verein „Franziska van Almsick Schwimmkids e.V.“ nämlich nicht vor zehn Jahren gegründet, um den nächsten Schwimm-Olympiasieger zu sichten, sondern um Schwimmunterricht für Kinder zu unterstützen und für deren Sicherheit im Wasser zu sorgen. Es ertrinken immer noch viel zu viele Kinder, weil sie nicht sicher oder gar nicht schwimmen können.

Welche Botschaft sollen Kinder aus ihren Geschichten mitnehmen, wenn sie Paul Planschnase bei Audible hören?

Traut Euch! Habt keine Angst. Seid nicht traurig, wenn ihr noch nicht oder noch nicht so gut schwimmen könnt wie andere Kinder oder Freunde, sondern probiert es mit Hilfe eurer Eltern einfach aus. Schwimmen zu können ist wichtig und macht auch Spaß.

Franziska van Almsick
Franziska van Almsick schrieb das Kinderbuch „Paul Planschnase lernt schwimmen“

In welchem Alter sollten Kinder schwimmen lernen?

Ich denke, dass man mit fünf oder sechs Jahren anfangen sollte. Vorher ist es einfach Planschen und Überwasserhalten, das kann auch Spaß machen und die Kleinen ans Wasser heranführen. Aber so richtig verstehen können sie es erst ab etwa dem Schulalter. Es ist nämlich gar nicht so einfach, dass man die Beine anders bewegen muss als die Arme und dabei auch noch richtig atmet.

Wann haben Sie schwimmen gelernt?

Das war auch so mit fünf Jahren. Die Legende besagt, dass man mich damals ins Wasser geworfen hat und ich gleich schwimmen konnte. So wird es wohl nicht gewesen sein, aber eine große Portion Talent war scheinbar erkennbar.

Haben Ihre beiden Söhne das Talent geerbt?

Sie haben die Freude am Wasser geerbt. Don Hugo ist zehn Jahre alt und das Schwimmenlernen bei ihm war damals ganz entspannt, mittlerweile schwimmt er sehr gut und sehr gerne. Mo Vito ist noch zu klein, er planscht aber sehr gerne. Was das Talent oder die Geschwindigkeit im Wasser angeht, glaube ich auch nicht, dass es vererbbar ist. Mir ist wichtiger, dass beide um die Gefahren im Wasser wissen und dass beide sichere Schwimmer sind.

Was können Eltern tun, um ihren Kindern Schwimmen beizubringen?

Zuallererst die Verantwortung dafür übernehmen. Viele Eltern geben die Verantwortung etwa an die Schule ab und gehen mit ihren Kindern erst gerne ins Schwimmbad, wenn sie es schon können. Ich würde mir wünschen, dass Eltern ihren Kindern vorleben, wie wichtig sicheres Schwimmen ist und wie viel Spaß es machen kann. Am besten führen Eltern ihre Kinder früh ans Wasser ran und suchen dann später, so im Alter von 5 Jahren, einen Schwimmkurs für ihr Kind. Dort lernen sie dann die richtige Technik und bekommen die notwendige Sicherheit.

Was ist das Wichtigste?

Es muss nicht schön aussehen, es muss sicher sein. Meine klare Botschaft ist: Macht euch die Gefahr bewusst, die es im Wasser gibt, wenn man nicht richtig schwimmen kann. Eltern, Lehrer, alle Erwachsenen sollten es sehr ernst nehmen, wenn ein Kind Angst vor dem Wasser hat – und dann kreativ sein und versuchen, diese Angst zu nehmen. Dazu sollen meine Geschichten um „Paul Planschnase“ beitragen. Die Kinder sollen lernen, technisch sauber zu schwimmen, denn nur dann schwimmt man sicher. Und nur dann macht es auch richtig Spaß im Wasser. Dass Schwimmen später im Alter auch ein hervorragender Gesundheitssport ist, weil man ihn bis ins hohe Alter ausführen kann, kommt hinzu. Aber natürlich interessiert einen 8-Jährigen nicht, dass er mal als 80-Jähriger davon profitiert, dass er jetzt schwimmen lernt. Davon handelt mein Buch also nicht.

Franziska van Almsick
„Paul Planschnase lernt schwimmen“ erscheint erstmals als Hörbuch auf audible.de

„Paul Planschnase lernt schwimmen“ erscheint nun erstmals als Hörbuch. Was bedeutet das für Sie?

Ich freue mich sehr darüber, weil mein Thema – Kindern sicheres Schwimmen beizubringen – so noch einmal Aufmerksamkeit erfährt. Das Hörbuch hilft dabei und ist ein neues tolles Medium, um die Geschichte zu vermitteln. Ich stelle es mir sehr schön vor, wenn Familien die Geschichten von Paul Planschnase vielleicht auf der Autofahrt in den Sommerurlaub gemeinsam hören und den Kindern so schon ein wenig die Angst vor dem Meer oder Pool genommen wird und sie vorbereitet werden, um im Urlaub vielleicht schwimmen zu lernen. Toll ist auch, dass man Paul Planschnase nun auch hören kann, während man selbst im Wasser ist – das geht mit Buch leider weniger gut. Das Kind ist in der Badewanne oder im Planschbecken und hört gemeinsam mit den Eltern „Paul Planschnase lernt schwimmen“ und macht die Übungen dabei nach, das wäre wirklich schön.

Hören Sie selbst auch Hörbücher?

Bei uns im Kinderzimmer laufen schon ständig Kinder-Hörspiele und meine Jungs sprechen oft die Texte auswendig mit. Ich selbst höre mittlerweile auch gern, bin aber tatsächlich erst vor kurzem darauf gekommen. Seitdem nutze ich Hörbücher aber gerne und oft – etwa auf Autofahrten, weil ich viel unterwegs bin oder auch zuhause als Entspannungsmoment. Mit zwei kleinen Söhnen ist es bei uns immer sehr temperamentvoll und wenn ich mich mit einem Buch auf die Couch setze, werde ich doch oft von meiner Familie unterbrochen. Kopfhörer auf den Ohren dagegen bewirken wahre Wunder, da kann ich richtig abschalten.

Haben Sie eine Hörbuchempfehlung für die Audible-Hörer?

Zuletzt habe ich „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón gehört, wunderbar gelesen von Uve Teschner. Eine sehr schöne, spannende und berührende Geschichte. Allerdings nichts fürs Auto, denn für das Hörbuch muss man Zeit mitbringen und es verliert den Zauber und die Spannung, wenn man zu oft unterbrochen wird. Außerdem gefällt mir die Stimme von Katharina Thalbach sehr gut als Vorleserin.

Sie gehören also auch zu den vielen Hörern, die ihren nächsten Titel eher nach dem Sprecher oder der Sprecherin als nach Autor aussuchen?

Nein, bisher nicht. Aber die Idee gefällt mir, werde ich mal ausprobieren und schauen, was Katharina Thalbach noch so gelesen hat. Ich mag ihre Stimme sehr, ich höre da gerne und stundenlang zu. Es ist beeindruckend, welchen Einfluss die Interpretation des Sprechers oder der Sprecherin auf eine Geschichte hat. Ich habe selbst ein paar Mal Filmsynchronisationen gesprochen. Das war eine tolle und spannende Erfahrung und ich habe auch gutes Feedback erhalten. Aber ich bin keine Schauspielerin und Vorlesen ist etwas andere. Das ist, eine Kunst für sich. Toll, wie man mit Stimme, Ton und Aussprache Bilder entstehen lassen kann. Auch Florian Fischer, der Sprecher von „Paul Planschnase lernt schwimmen“ kann das – also hört mal rein.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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